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"Fünf vor Weihnacht"
von Thomas Eppensteiner
Ich hatte noch nicht mal ein Jahr im Außendienst am Buckel, als ich zum ersten
Mal mit dem Umstand der Hilflosigkeit und Ohnmacht konfrontiert wurde, der wir
alle irgendwann mal in unserem Beruf ausgesetzt und die uns zeigt, dass wir nur
beschränkt all das umsetzen und verwirklichen können, was wir uns mal
vorgenommen haben. Nicht helfen können, obwohl man möchte... Er hatte schon
von Anfang an dieses ungute und flaue Gefühl, das ab und an mal Besitz von uns
ergreift, wenn man zum Einsatz fährt. Man weiß zwar nicht warum, aber irgendwas
ist dann da, tief unten im Magen. Es sagt: "Freund, dieses Ding wird nicht so
laufen, wie du dir das vorstellst." Routine. Einfach fragen, wer denn den an
dieser Adresse zugelassenen Wagen derzeit lenkt. Lenken war gut, der Kollege am
Telefon erklärte ihm, dass der Wagen mitten in einem Feld gefunden worden war,
ohne Lenker. Nachfragen. Routine halt. Eine Telefonnummer in Erfahrung bringen.
Ein Anruf, alles Routine. Ein Tag vor dem heiligen Abend. Eine hübsche junge
Frau öffnete die Tür. Freundliche Augen blickten fragend auf seine Uniform.
"Ja ja, der Wagen gehört meinem Lebensgefährten. Er ist geschäftlich
unterwegs. Ich kann Ihnen seine Handynummer geben wenn Sie möchten, was ist denn
passiert?" "Ich denke mal, Ihr Freund hatte eine Panne, das Fahrzeug steckt
in einem Acker. Die Kollegen dort haben gerade einen Einsatz und die Feuerwehr
wird wohl den Wagen aus dem Feld ziehen." Als er zum Telefon griff und die
Nummer wählen wollte, läutete es. Der anrufende Kollege stand mitten im
Feld. Die Leiche lag direkt vor seinen Beinen. Es hatte ihn wohl einfach aus dem
Cabrio geschleudert. Gurt nicht angelegt. Genick gebrochen. "Sei so gut,
überbring doch gleich mal die Todesnachricht." Da stand er nun. Seit neun
Monaten auf der Straße. Keine Ahnung, wie er denn nun einer Frau ihren Mann
nehmen musste. Eigentlich musste er gar nichts sagen. Sie verstand auch so.
Die Hand an seiner Kehle drückte immer stärker zu. Am liebsten wäre er schnell
davongelaufen, so schnell er konnte. Er konnte sie nicht sehen doch sie waren
da, die langen, knochigen Finger die immer mehr zudrückten. "Sagen sie es!
So sagen Sie es doch endlich!"
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