"Ein schwerer Verkehrsunfall, oder:
...und ewig lockt das Weib"
von Hans-Peter Stepanik

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Es war an einem Nachmittag, noch im selben Sommer; die Streifenbesatzung W./ Step. befand sich unterwegs im Stadtbezirk. Es war herrliches Wetter und es war ein Tag, an dem jeder Polizeibeamte lieber Streife fährt, als im schlecht gelüfteten Büro irgendwelche Anzeigenvorgänge zu bearbeiten, eine Fachzeitschrift zu lesen oder die Nachlieferungen in seine Gesetzessammlung einzusortieren. Bisher war es geradezu verdächtig still am Funk; doch damit war es jetzt schlagartig vorbei.

„Schwerer Verkehrsunfall bei Herbrechtingen!“, tönte es aus unserem Funkgerät. Diesmal war es der Kollege B., der vierte Beamte unserer Dienstgruppe, der erst vor kurzer Zeit von Esslingen zu uns versetzt worden war.

„Frontalzusammenstoß in der Kurve bei der Bahnüberführung. Es sind mehrere Schwerverletzte gemeldet worden; vielleicht gibt es auch Tote. Fahren Sie sofort die Unfallstelle an und treffen Sie die ersten Maßnahmen! Der Sanka ist verständigt und fährt ebenfalls an“, gab uns der Kollege noch durch.
Mein Kollege W., der gar nicht gern selbst fuhr und lieber den jüngeren Kollegen diese oft sehr heikle Aufgabe überließ, hielt sich wieder mal krampfhaft im Fahrzeug fest. Auch jetzt ermahnte er mich immer wieder, nicht so schnell zu fahren und ja gut aufzupassen.
„Step, es nützt niemandem, wenn wir dort überhaupt nicht ankommen!“, schimpfte er. Der Kollege W. nannte mich immer „Step“; mein ganzer Name war ihm wohl zu umständlich und mein Vorname passte ihm irgendwie nicht. Weil ich von meinen „Fahrkünsten“ aber überzeugt war, sah ich mich nicht veranlasst, wegen der Angst meines Beifahrers das Gas wegzunehmen.

Mir war natürlich klar, dass bei solchen Einsatzfahrten nichts passieren darf; schnell, sogar sehr schnell bekommt der Fahrer des Polizeifahrzeugs dann was vorgeworfen, von wegen vorbildliches Fahren, vorbildliches Verhalten und Einhalten von Verkehrsvorschriften; und außerdem hat er spezielle Rechts- und Gefahrenkenntnisse und so steht er sehr schnell vor Gericht und hat dann möglicherweise auch noch ein Disziplinarverfahren zu erwarten.
Es ging aber alles gut und als wir die Ortsdurchfahrt von Giengen hinter uns hatten, waren es nur noch wenige Minuten bis zur Unfallstelle.

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