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"Die Fundsache"
von 'Harry' Thomas Weinkauf
Leseprobe aus dem Buch
"Toto & Harry - Brennpunkt Großstadt"
von Frank Schneider, Torsten Heim und Thomas Weinkauf
Erschienen 2007 im Klartext-Verlag
ISBN: 389861736X
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Ein Einsatz, an den ich mich noch heute oft erinnere und
dessen Geschichte ich immer wieder gerne erzähle, war die Fundsache im
Parkhaus. Dieser Einsatz ereignete sich zu der Zeit, als es uns Deutschen
noch vermeintlich besser ging, als unsere Währung noch die gute alte
Deutsche Mark war und die Einführung des verhassten Euro, später "Teuro"
genannt, kurz bevor stand.
Während einer Spätschicht im Frühjahr wurden Toto und ich von einem
Polizeireporter und einem Fotografen begleitet, die beide für eine Zeitung
arbeiteten. Der Reporter wollte einen Bericht über die beiden
"Fernsehpolizisten " Toto und Harry schreiben. Der Fotograf, ich kann mich
nur noch an den Spitznamen "Würmchen" erinnern, sollte das dazu passende
Bildmaterial liefern.
Die beiden saßen voller Erwartung auf der ledernen Rücksitzbank, hinten im
Fahrgastraum unseres grün-weißen Bullis. Ich dachte noch: "Hoffentlich
werden die nicht enttäuscht." Denn unser Polizeialltag kann oft sehr
unspektakulär sein. Unfallflucht, Ladendiebstahl, Schreibkram. Oder es gibt,
mittlerweile allerdings immer seltener, diese berühmten Schichten, wo
schlicht gar nichts passiert. Und über langweilige Routine wollten die
beiden ja bestimmt nicht berichten.
Der eher wortkarge "Würmchen" hatte den Alu-Koffer mit seiner Fotoausrüstung
direkt neben sich auf dem Sitz platziert und blickte meistens aus dem
Fenster. Der Reporter hielt einen Stift in den Fingern seiner rechten Hand,
mit dem er hin und wieder Notizen auf seinen Block schrieb. Was der wohl so
aufschreibt, dachte ich. Denn manche für uns längst völlig normale Dinge
interessieren einen "Nicht-Polizisten" häufig doch.
Funksprüche, Ausrüstung, Kennzeichen-Abfrage etc..
Die Ereignisse in den ersten Stunden der Schicht hatten zunächst wenig Raum
für verwertbares Reportagenmaterial gelassen und somit füllte sich der Block
des Reporters eher mit biografischen Details über Totos und mein Leben und
unsere polizeilichen Werdegänge.
Gerade als Toto dabei war, über seine polizeiliche Ausbildung zu berichten,
wurde er durch einen Funkspruch unterbrochen, der den Reporter zu einem
Stirnrunzeln veranlasste und den Fotografen leise gähnen ließ. Nach zwei
Verkehrsunfallaufnahmen mit jeder Menge Schreibarbeit und einem Ladendieb
sollten wir uns jetzt einer Fundsache annehmen. Der Pförtner eines
Parkhauses hatte auf einem der Parkdecks eine Ledertasche gefunden.
So sehr sich alle Insassen des Bullis auch wünschten, dass etwas
Außergewöhnliches passieren mochte, so sehr erlangten wir doch mehr und mehr
die Gewissheit, dass die Polizeiarbeit in erster Linie nicht aus Action und
Spannung à la Schimanski besteht.
Kurze Zeit später erreichten wir das Parkhaus am Husemannplatz, direkt unter
dem Bochumer Amtsgericht. Wir fuhren langsam die Abfahrt in die Tiefen der
Stadt hinunter, fahles Licht umhüllte uns. Eine Kulisse wie im Tatort, es
fehlte, zum Glück, nur der erschossene Zahnarzt neben seinem Porsche.
Pech für unsere beiden Gäste, dachte ich noch.
Dann stellten wir unseren Bulli neben der Schranke ab und gingen alle vier
gemeinsam zur Pförtnerloge der Tiefgarage. "Würmchen" zog es vor, seine
Fotoausrüstung im Streifenwagen zu lassen: "Lohnt sich wohl eher nicht."
Eine Tatsache, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellen sollte.
Wir wurden bereits vom Anrufer erwartet. Es handelte sich um einen rüstigen
älteren Herrn, der seine viel zu schmale Rente durch die Pförtnertätigkeit
in dem Parkhaus aufbesserte. In seiner Hand hielt er eine schwarze, lederne
Handgelenkstasche. So ein Ding, das in den achtziger Jahren jeder zweite
emanzipierte Mann als Handtaschenersatz mit sich herum schleppte und heute
beim Betrachter eher den Eindruck erweckt, der Träger wäre entweder Spießer
oder "Männerfreund". Wie sich die Zeiten ändern.
Der Pförtner hatte das Täschchen bei einem seiner stündlichen Rundgänge
durch das Parkhaus gefunden. Es hatte auf einer der tieferen Parkebenen in
einer Ecke auf dem Boden gelegen. Direkt neben einer leeren Parkbucht.
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