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"Blutspende -
ist es ein Beitrag zur
Nächstenliebe,
Sucht oder gar falscher Stolz?"
von Hans-Peter Stepanik
- Seite 1 von 11 -
Für den 29. September 1994 hatte ich mir vorgenommen, zur
Blutspende zu gehen, und das, obwohl diese Blutspendeaktion in Herbertingen,
Landkreis Saulgau, also in einer Entfernung von ca. 45 km stattfand. Es war
ein Donnerstag und der Termin war für mich ganz wichtig, weil ich die
nächste Blutspende am 29.12.94 in meinem Heimatort Waldburg abgeben wollte
und ich letztmals am 30.06.94 in Weingarten gespendet hatte. Zwischen den
einzelnen Blutspenden mussten zu der Zeit aus gesundheitlichen Gründen
mindestens 84 Tage liegen.
Ich hatte mir den Termin für diesen Tag aus einer Terminliste des
Blutspendedienstes herausgesucht; gleich nach Dienstschluss fuhr ich in
Ravensburg aus los.
Eine Dreiviertelstunde später kam ich an der Mehrzweckhalle in Herbertingen
an, konnte aber keinerlei Aktivitäten des Deutschen Roten Kreuzes entdecken.
Fand heute etwa doch keine Blutspende sattt?
In einem nahegelegenen Blumengeschäft fragte ich nach und es stellte sich
heraus, dass der Termin tatsächlich schon in der letzten Woche stattgefunden
hatte. Ich war mir aber sicher, dass ich mich in Datum und Örtlichkeit nicht
geirrt hatte.
Nun stand ich da! Was jetzt? Ich war fast schon 50 km gefahren - sollte das
jetzt etwa umsonst gewesen sein?
Zum Telefonieren hatte ich nicht genügend Kleingeld dabei, weshalb ich zum
Postamt ging, mir die Telefonnummer der nächstgelegenen Rettungsleitstelle
heraussuchte und einfach dort anrief. Diese Dienststelle befand sich in
Biberach. Die Dame am Telefon war sehr nett und sie schaute in ihren
Unterlagen nach; da war aber auch nur der heutige Termin bekannt. Sie riet
mir dann, ich solle bei der Blutspendezentrale in Ulm anrufen. Sie gab mir
die Telefonnummer durch.
Weil ich ohnehin meinem Ärger wegen des offenbar geplatzten Termins etwas
Luft machen wollte, rief ich in Ulm an. Die Dame dort wusste zwar, dass der
Termin in Herbertingen verschoben ist, wusste aber nicht warum.
Sie sagte mir dann, dass an diesem Tag unter anderem auch noch in Aalen und
in Bad Mergentheim Termine stattfinden würden; ich könne aber auch jederzeit
in der Blutspendezentrale in Ulm Blut spenden, fügte sie hinzu. Beides kam
für mich aber momentan nicht in Frage. So gab ich für diesen Tag auf und
fuhr direkt nach Hause.
Über Nacht hatte ich mir dann überlegt, dass ich am Freitag frei nehmen und
noch am Vormittag nach Ulm fahren könnte, um meine Blutspende direkt in der
Blutspendezentrale loszuwerden.
So fuhr ich um 09.30 Uhr in Ravensburg weg und war um 10.30 Uhr in Ulm. Beim
Hineingehen sah ich die täglichen Spendezeiten, die an der äußeren
Eingangstüre angeschlagen waren; allerdings vermisste ich die Angaben für
den Freitag. Das konnte und wollte ich nun aber wirklich nicht glauben. Hat
sich denn alles gegen mich verschworen? Trotzdem ging ich rein, meldete mich
beim Empfang und machte meinem angestauten Ärger sogleich Luft.
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