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"Ein besonderer Tag"
von Markus Schiffer
Er stand zeitig in der Früh auf, da er mit seinem Hund
noch spazieren gehen wollte. Er war in Hochstimmung und in freudiger
Erwartung was der Tag ihm noch bringen sollte. Er verbrachte eine schöne
Stunde mit seinem vierbeinigen Freund am Flussufer. Der ersten
Sonnenstrahlen und die angenehmen Temperaturen erhöhten seine schon positive
Stimmung.
Nach dem Spaziergang brachte er den Hund zu einem Bekannten - der sich
bereit erklärt hatte sich um diesen zu kümmern - und er freute sich auf den
heutigen Tag, noch dazu weil es einfach ein einmaliger Tag in seinem Leben
werden sollte. Er nahm seine Reisetasche mit dem guten Anzug darin und
startete seinen alten, schon etwas ramponierten Geländewagen.
Als er bei seinen Eltern – die ihn schon erwarteten – vorfuhr, kannte das
Hallo und Schulterklopfen kein Ende. Seine Eltern wollten ihm eine Freude
machen und hatten seine Freunde und Geschwister zum gemeinsamen Frühstück
eingeladen. Seine Mutter war in ihrem Element. Sie hatte ein
Frühstücksbuffet gezaubert, dass alle aus dem Staunen nicht mehr
herauskamen. Fast wie in einem Luxushotel - war der einhellige Tenor.
Es wurde viel gelacht und einige lustige Begebenheiten aus der Kinderzeit
erzählt. Vor lauter Aufregung konnte er nicht viel frühstücken, aber seine
Geschwister und Freunde langten alle kräftig zu.
Über den bevorstehenden Tag und das Ereignis wurden Witze gemacht und er war
das Opfer zahlreicher Weisheiten und Ratschläge für die Zukunft.
Nachdem seine Freunde nach Hause fuhren, packte ihn ein wenig die Schwermut.
Er hätte gerne noch länger mit ihnen gelacht. Aber der heutige Tag war
einfach zu wichtig um ihn mit seinen Freunden zu verbringen. Also nahm er
seine Reisetasche und begab sich in das Badezimmer um sich frisch zu machen
und sich umzuziehen. Er kam sich vor wie damals – als er als junger Mann
noch bei seinen Eltern gewohnt hatte. Seine Mutter hatte frische Handtücher
und eine neue Zahnbürste bereitgelegt.
Er begann sich zu rasieren und blickte in den Spiegel. Sollte der heutige
Tag wirklich alles verändern. Er war einfach glücklich so wie sein Leben
verlief. Warum musste er heute noch alles ändern. Aber waren Zweifel an
einem solchen Tag nicht ganz normal? Warum nicht weglaufen? Jetzt würde
keiner aufpassen, alle wären mit sich selbst beschäftigt und außerdem war
die Badezimmertüre gleich neben dem Wohnungseingang. Aber er hatte schon
schwierigere Sachen durchgestanden, und er freute sich auch sehr auf das
bevorstehende Ereignis. Die Zweifel wurden weggewischt, genauso der kurze
Fluchtgedanke.
Also machte er sich zurecht, die widerspenstigen Haare wurden mit Gel in
Form gebracht, und die Zähne auf Hochglanz poliert. Vaters Rasierwasser –
das teure, nicht das billige für jeden Tag - trug er auch noch reichlich
auf.
Der gute Anzug wurde angezogen und auch die Krawatte durfte nicht fehlen.
Ein letzter Blick in den Spiegel. Er war zufrieden. Eigentlich komisch –
irgendwie fremd - aber ein sehr gut aussehender, junger Mann blickte ihm aus
dem Spiegel entgegen.
Auch die Familie war begeistert. Alle ins Auto seines Vaters – der
ramponierte Geländewagen blieb zu Hause - und ab zum vereinbarten
Treffpunkt. Viel zu früh traf man ein und man wartete also.
Da sah er sie. Eine junge Frau spazierte die Straße herunter. Er war wie vom
Blitz getroffen. Sie war wunderschön und sie lächelte nur ihn an. Er hatte
keine Augen mehr für seine Verwandtschaft und für seine Freunde. Sie
flüsterte ein kaum hörbares „Hallo“. Er war hin und weg. Gedanken kamen ihm
in den Kopf. Er wollte mit dieser wunderschönen Frau weglaufen und mit ihr
den Rest seines Lebens verbringen. Ganz einfach weg von der Stadt und dem
ganzen Drumherum. Sollte die Familie diesen Tag doch alleine feiern. Nur mit
ihr wollte er allein sein.
Da unterbrach sein Bruder die Tagträumereien und sagte: „Los ihr zwei – der
Pfarrer wartet schon! Auf in die Kirche die Hochzeitsgäste sind schon alle
da!“
Es wurde ein wunderschöner Tag – bis heute!
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