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"Kreuz und quer durch Brasilien"
von Werner Pöttinger
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2003 und 2004 bereisten wir die Länder Argentinien,
Paraquay, Bolivien, Peru und Chile, zum Teil mit dem Motorrad und zum Teil
mit dem Auto. Wir waren noch nicht einmal zu Hause, da beschlossen wir auch
noch nach Brasilien zu reisen. Und diesen Gedanken wollten wir alsbald in
einen fixen Plan umsetzen.
Anfang September 2007 war es soweit: Wir starteten unser Unternehmen: „Kreuz
und quer durch Brasilien“. Für die zusammengestellte Reise sollten wir alles
in allem rund 3 Monate brauchen. Nicht viel, wenn man bedenkt dass Brasilien
mit einer Fläche von 8,512 Millionen km² das fünftgrößte Land der Erde ist.
Zum Vergleich Österreich hat ca. 85.000 km², ist also rund 100-mal kleiner
als Brasilien. Nahezu ein Jahr dauerten die Vorbereitungen auf die große
Reise. Wird wohl alles klappen, wie wir uns das Vorstellen und wie wir es
geplant haben?
Endlich war es soweit, die Abreise erfolgte von München über Lissabon nach
Fortaleza.
Bei unserer Ankunft am Flughafen in Fortaleza fehlte eine von drei
Reisetaschen. Und genau in dieser Tasche befand sich unter anderem das
Unterwassergehäuse für den Fotoapparat. Wir blieben zwei Tage in der Stadt,
in der Hoffnung, dass unsere Tasche wieder auftaucht. Die Hoffnung erfüllte
sich leider nicht. So starteten wir mit unserem Mietauto - einem Fiat Palio
- von Fortaleza durch das Landesinnere nach Brasilia, der einzigen
futuristisch wirkenden Hauptstadt der Erde, einer in Beton gegossenen
Stadtvision. Mit der feierlichen Einweihung der Stadt 1964 durch Präsident
Kubitschek hatte sich für Brasilien nicht nur ein nationaler Traum, sondern
auch eine Vorgabe der Bundesverfassung erfüllt.
Die kreativen Schöpfer Brasilias und seiner Bauten waren der Städteplaner
Costa und der deutschstämmige Architekt Oscar Niemeyer. Der Stadtgrundriss
entstammt den Konturen eines Flugzeuges. Den lang gestreckten Rumpf
symbolisiert die überbreite Zentralachse mit je sechs Fahrspuren auf jeder
Seite und einem Mittelgrünstreifen so breit wie ein Fußballplatz. Sie wird
von der Rodoviaria durchschnitten, die mit ihren Quadern und Blöcken die
Flugzeugflügel nachbilden. Brasilia erfüllt die Vorstellungen, was man sich
von ihr architektonisch versprach.
Ein besonderes Bauwerk ist die Kathedrale Brasilias - ein Entwurf von
Niemeyer. Das einer Krone nachempfundene Bauwerk wird von einer
durchsichtigen Dachkonstruktion überspannt und der Innenraum mit Sonnenlicht
überflutet. Blaue und dunkelgrüne, wellenartige Mosaikflächen setzen farbige
Akzente und drei große herunterhängende Engel scheinen frei in der Luft zu
schweben.
Eine Odyssee ist die Fahrt zum rund 1000 km entfernten Nationalpark das Emas.
Anfangs befindet sich die Straße in einem guten Zustand, doch die
Schlaglöcher vermehren sich rasant und nehmen an Größe zu, bis schließlich
überhaupt kein Asphalt mehr vorhanden ist. So kämpfen wir uns langsam, aber
sicher ans Ziel: das Dörfchen Chapadao de Ceu. Trotz unserer mangelnden
Portugiesischkenntnissen hatten wir innerhalb einer halben Stunde ein Dach
über dem Kopf, einen Führer und die Ausflüge (Bootsfahrt und Pirschfahrten
im N.P.) organisiert. Sogar einen englisch sprechenden Dolmetscher nahm
Luisian unser Führer für den Besuch des Emuparkes mit. Dieser Park wurde am
11.1.1961 unter Schutz gestellt und ist mit seiner einzigartigen Flora und
Fauna einer der bedeutendsten Nationalparks in der innerbrasilianischen
Buschsteppe. Die Hügel der Serra do Caiapo sind mit 1000 Metern die höchste
Erhebung der Buschsteppe und Quellgebiet der Flüsse Araquaia, Taquari und
Formoso und zugleich Wasserscheide zwischen dem Pantanal und dem
Amazonasbecken. Die Landschaft ist geprägt von bis zu 3 Metern hohem Gras
und tausenden von Termitenhügeln. Sie beheimatet viele seltene Tiere, die in
anderen Schutzgebieten Brasiliens kaum noch anzutreffen sind, wie z. B. den
Mähnenwolf, den Tapir oder den Ameisenbär, sogar Jaguare soll es hier geben.
Bis wir diese Tiere sehen, sollte unsere Geduld allerdings noch auf eine
harte Probe gestellt werden.

Foto: Werner Pöttinger - Christusfigur in Rio de Janeiro
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