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"Shakespeare, Nestroy & Co."
von Richard Lux-Rubenser
Der Besuch der alten Dame
bei Antigone auf Naxos schien unabwendbar. Gott
sei Dank schickte König Lear die Einladung zu
Figaros Hochzeit mit der kratzbürstigen Salome
gerade rechtzeitig. Jakubowsky und der Oberst
machten sich also auf den beschwerlichen Weg über das
weite Land. Sie begleiteten Minna von Barnhelm
und Mutter Courage und ihre Kinder, denn diese
hatten tatsächlich Angst vor Virginia Woolf.
Der Widerspenstigen Zähmung beizuwohnen käme
einem Sommernachtstraum gleich.
Eigentlich hätte der Hauptmann von Köpenick
auch mitkommen wollen, aber er hatte einen dringenden Termin mit
des Teufels General. Zurzeit machten
Liliom und das
liederliche Kleeblatt oder Lumpazivagabundus
die Wälder unsicher.
Auch Macbeth, der
eingebildete Kranke begleitete die kleine Reisegesellschaft, denn er
wollte sich beim Kaufmann von Venedig
Medikamente abholen.
Bei ihrer Ankunft in Andorra erwarteten sie
bereits der Verschwender und seine beiden
Chefs, der Alpenkönig und der Menschenfeind.
Denn der Verschwender war
ein Diener zweier Herren.
„Wo findet der Reigen denn statt“, wollte der
Oberst wissen. „Zu ebener Erde und im ersten Stock!“
lautete die Antwort. „Und was gibt es zu essen?“ „Was ihr wollt, aber ich
empfehle gegrillten Hamlet.
Biedermann und die Brandstifter haben ein
herrliches Grillfeuerchen entfacht. Die lustigen
Weiber von Windsor und die Physiker
waren auch ganz begeistert. Mittlerweile ist sogar die
Katze auf dem heißen Blechdach geflüchtet. Getränke sind leider aus.
Wir warten auf Godot, unseren
Getränkelieferanten.“
„Bezahlt wird nicht, wenn das so ist!“,
entgegnete der Oberst bestimmt.
„Wie es euch gefällt“, erwiderte der
Verschwender, „aber damit sie werden sie einen
Bruderzwist im Hause Habsburg anzetteln. Denn
der Bauer als Millionär ist ziemlich knausrig, der verrechnet jeden
zerbrochenen Krug, da wird ihnen auch
der Talisman nichts nutzen.“
„Das stört mich nicht im Geringsten. Ich fordere
Freiheit in Krähwinkel!“, rief der Oberst, denn er war schon immer
ein heimlicher Revoluzzer. „Mein Ziel ist die
Endstation Sehnsucht! “
„Da sollten sie sich aber in Acht nehmen. Man hört sowieso so wilde
Geschichten aus dem Wiener Wald.
Die Räuber gehen um“
„Ach was, ich weiß schon was sie meinen. Der Tod des
Handlungsreisenden war ein Einzelfall. Der
Zerrissene war ja quasi selber schuld!“
Aber wie meist machte man wieder einmal viel Lärm um
Nichts. Schließlich sagte der Oberst versöhnlich zum Verschwender:
„Ich schenk dir drei Groschen, Opa!“ Und so
wurde es für alle Beteiligten ein Weekend im Paradies.
Ende gut, alles gut.
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