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"Die Kräutermafia"
von Richard Lux-Rubenser
Baldrian
Koriander stand vor dem bekannten Restaurant
„Liebstöckl“ und wartete auf seinen Freund
Peter Silie. Zwei alte
Dille-Tanten humpelten an ihm vorbei. Obwohl jede von ihnen in einen
Frauenmantel gehüllt war schlotterten sie vor
Kälte. Baldrian starrte ihnen nach. Da wandte
sich eine der Beiden um und giftete ihn an: „Was ist, warum gaffst du mich
wie ein Major an? Lass das, sonst gibt’s was
aufs Froschgoscherl!“.
Baldrian schaute indigniert in die Gegenrichtung. Jetzt fröstelte es
auch ihn.
Wenn Peter nicht bald auftauchte würde Mario sicher verärgert sein. Mario
Oregano war der Capo der hiesigen Kräutermafia
und kümmelte sich um jede Kleinigkeit. Er
hasste Verspätungen und er hatte schon Leuten wegen kleineren Vergehen die
Kresse poliert. Da musste man froh sein, wenn
man mit ein paar Grasnarben davonkam. Aber da
bog Peter schon lässig wie immer um die Ecke und
schnittlauch eine freundliche Grimasse.
Gemeinsam stiegen sie die enge Lavendeltreppe
zu Marios Büro hoch. Mario sprang erfreut auf und umarmte Peter herzlich.
„Komm setzt dich. Lass uns etwas Käse pappeln
und Kräuterbier trinken. Und jetzt erzähl, wie ist es gelaufen?“
„Gelaufen? Der Überfall aufs Kompostamt? Wie
geschmiert:“, grinste Peter. „Dost und ich sind
wie vereinbart rein. Mein Hund Ysop wie immer
bei Fuss. Die Objektive der Überwachungskameras
haben wir mit Portulak unschädlich gemacht.
Einer der Wächter wollte sich wichtig machen. Da hats ein paar aufs
Löwenmaul gegeben, dass er einen
Löwenzahn ausgespuckt und die
Königskerze gemacht hat.
Dost ist kurz nervös geworden und hat eine
Malve aus seiner MP in die Decke gejagt. Die Kassierin – auf ihrem
Namensschildchen stand „Melisse“ – schaute
wie’s Palmkätzchen wenn’s blitzt. Da sagte ich:
‚Schau nicht wie die Zitronen, Melisse, sondern
her mit dem Gold, Melisse. Sonst muss ich
Ysop auf dich hetzen und der macht dann
Borretsch aus dir!’ Und dann waren wir auch
schon wieder weg.“
„Und wie viel habt ihr ergattert?“ wollte Mario ungeduldig wissen.
„Ka Mille, aber vielleicht eine halbe“, sagte
Peter Silie cool, während draußen die
Polizeiautos mit Sirenengeheul in Richtung Kompostamt
vorbeibrausten…
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