Leseprobe aus dem Kriminalroman
"Das Haus in den Dünen"
von Ulrich Hefner

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Spiekeroog, Mai 1981:

Der kühle Wind strich über seine heißen Wangen. In der Ferne flimmerte der glühend rote Horizont und helle Schwaden stiegen dem dunklen Himmel entgegen. Der Geruch von Feuer und Rauch bedeckte das zarte Sanddornaroma und durchsetzte die salzig frische Luft mit einer beißenden Schärfe. Im flackernden Licht tanzten die Gräser auf den Dünen und bogen sich im Wind. Die Kraft des reinigenden Feuers. Er liebte diesen Anblick. Er brachte ihm eine tiefe innere Zufriedenheit. Die gelben Flammen schlugen aus dem riedgrasgedeckten Dach und kleine glühende Flammenteufel tanzten beflügelt von der Hitze in die schwarze Höhe. Das Feuer schwemmte die Schreie der Dämmerung davon und eine friedliche Ruhe legte sich über den Strand.
Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Elemente allen Daseins. Feuer bedeutete Wärme und Reinheit zugleich. Es war vielleicht nicht das Maßgebliche aller Elemente, aber für ihn war es das Wichtigste, denn es hatte die Macht, alle Sünden und alle Schuld zu tilgen.
Einst wurden die Hexen der reinigenden Kraft des Feuers übergeben, weil das Böse, dass in ihnen wohnte, nur durch die Kraft der Reinheit besiegt werden konnte. Er hatte aufgepasst, als dieses Kapitel in der Schulstunde behandelt wurde. Ein dunkles Kapitel der Kirche, hatte der Lehrer damals gesagt. Aberglaube, übersteigerte Phantasien, Produkte einer unaufgeklärten und mystischen Zeit voller Angst und Misstrauen. Der Lehrer hatte keine Ahnung, er machte sich überhaupt keine Vorstellung von der Macht der Flammen. Waren es nicht Ezechiel und Gabriel, die ein flammendes Schwert mit sich geführt hatten, um gegen die Ausgeburten der Hölle gefeit zu sein?
Prometheus hatte den Menschen einst das Feuer gebracht und damit ihr Leben bereichert. Zeus, der Gott aller Götter, hatte ihn dafür zur Strafe an einen Felsen schmieden lassen. Gefesselt und zu keiner Bewegung fähig ertrug Prometheus sein Schicksal. Nacht um Nacht kamen die Adler aus dem Olymp und labten sich an seiner Leber, während er sich unter Schmerzen wandte. Feuer war eine göttliche Gabe, ein Geschenk an die Menschen, der Opferbereitschaft eines göttlichen Schöpfers der Menschheit zu verdanken, der nun Tag aus, Tag ein für sein Tun leiden musste, bis in alle Ewigkeit. Feuer, Gottes Gabe in jeder Mythologie. Lehrer, was wussten die schon vom Leben.
…denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer …


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