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"Ende der Kriegszeit"
von Horst Foth
Leseprobe aus
"Breslau - dem Irrsinn geopfert"
221 Seiten, erschienen im Verlag "Make A Book"
ISBN
978-3-939119-73-9,
€ 19,80
Auf dem Bahnsteig stand eine Vielzahl von Menschen mit
ihren wenigen Habseligkeiten in Schachteln, Koffern und Taschen verpackt.
Es waren vor allem Frauen mit ihren Kindern und sehr alte Leute. Sie waren
eingemummt, denn es war immer noch bitterkalt.
Männer von der Partei versuchten zu organisieren, um die Menschen
einigermaßen gerecht in die Abteile zu verfrachten.
Martl nahm die Gepäckstücke und die Irmgard an die Hand.
Heinz hatte den Erwin an der Hand und sie drängten in ein Abteil.
Zielstrebig setzte sich Martl auf eine Bank und zog ihre Kinder zu sich
heran. Sie hatte immer wieder Angst, dass sie den Heinz vielleicht nicht mit
lassen, denn er war inzwischen fast fünfzehn Jahre, und ihr kam immer wieder
das Bild vom Marktplatz in den Sinn. Zum guten Glück sah er etwas jünger aus
und hatte ihm eingebläut, er solle, wenn man ihn nach dem Alter fragt sagen,
er sei erst dreizehn.
Bis jetzt war alles gut gegangen. Der Zug füllte sich immer mehr, sodass sie
gerade noch einen Platz für ihre Kinder verteidigen konnte...
Erwin wurde auf der Zugfahrt von seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern
getrennt und befand sich auf dem Weg nach Sibirien.
...der Zug ratterte schon mehrere Stunden durch die Landschaft, draußen
hatte es angefangen zu schneien. Nach einer gewissen Zeit kam die Sonne
durch und es sah aus wie im Wintermärchen. Monoton klang nur das Rattern des
Zuges ans Ohr und man hätte sich an der unberührten Landschaft erfreuen
können, wenn die Zeit nicht so schlecht gewesen wäre. Das Ziel war für alle
unbekannt. Doch war man vermutlich dem Kriegsgemetzel entronnen, was schon
ein Lichtblick war.
Sie fuhren nun schon einen ganzen Tag und eine Nacht, mit Unterbrechungen,
bei denen die Lokomotiven gewechselt wurden. Bis auf die Suppe und ein Stück
Brot hatten sie bis jetzt nichts zu Essen bekommen…
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