"Die erste Leiche, oder
mein erster tödlicher Verkehrsunfall"
von Hans-Peter Stepanik

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Auf der Polizeiwache in Giengen wurde ein schwerer Verkehrsunfall gemeldet; eine Bäuerin sei vom Traktor gefallen und vom Anhänger überrollt worden, hieß es in dem Notruf. Während vom Wachhabenden, Polizeimeister Dliw, unverzüglich der Krankenwagen verständigt wurde, fuhren mein Schichtführer, Polizeimeister Nriz, und ich - damals noch Polizeioberwachtmeister - im alten VW-Kombi mit Blaulicht und Martinshorn auf dem schnellsten Wege in Richtung Unfallstelle. Der Kollege lenkte den Dienstwagen und ich saß auf dem Beifahrersitz.

Wir hatten schon Herbst und es war in diesen frühen Abendstunden bereits schon dunkel. Dies war „mein“ erster schwerer Unfall zu dem ich mitfahren musste. Und so war ich ziemlich aufgeregt und zittrig. Alle möglichen Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und ich rechnete vorsichtshalber mit dem Schlimmsten. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wohl aussehen mag, wenn ein Mensch von einem Fahrzeug überrollt wurde. Vorbereitet wurden wir junge Polizisten nicht auf solche schlimmen Ereignisse während unserer Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei und auch nicht später, bei irgendwelchen Fortbildungen bei der Landespolizei...

Und nun saß ich im Polizeifahrzeug und befand mich auf meiner ersten Einsatzfahrt, auf der Fahrt zu einem vermutlich sehr schlimmen Unfall. Ein ziemlich flaues Gefühl hatte ich im Magen und mir war es sogar richtig unwohl.

Mir war die Dauer der Fahrt wie eine Ewigkeit vorgekommen, obwohl nur zwei oder drei Kilometer waren und so kamen wir irgendwann an der Unfallstelle an; sie befand sich etwas unterhalb der „Hürbener Kreuzung“, die auch den Namen „Todeskreuzung“ trug. Diese Kreuzung lag auf freier Strecke, also in völliger Dunkelheit, weit ab von jeglicher Straßenbeleuchtung und außerdem, was sich später als unfallrelevant herausstellen sollte, im Bereich einer Gefällstrecke; in Fahrtrichtung Hürben ging dann die Straße allmählich in ein steileres Gefälle über. In Richtung dieses Gefälles war der Bauer mit seiner Zugmaschine gefahren. Die Fahrbahn war an dieser Stelle nicht sehr breit, etwa 4,50 m bis 5,00 m. Beidseitig befand sich ein unbefestigtes Bankett, das mit Gras bewachsen war. Kurz vor Beginn dieses steileren Straßenstücks stand die landwirtschaftliche Zugmaschine mit ihrem Anhänger. Der Hänger war schwer beladen, sehr schwer; er war voll beladen mit Futterrüben. Wie sich im Rahmen der später durchgeführten Befragungen herausstellte, hatte der Landwirt, der etwa um die 45 Jahre alt war, am Abend noch schnell eine Ladung Futterrüben laden und einfahren wollen; seine Frau, 35 Jahre alt, Mutter von drei kleineren Kindern, fuhr mit und half ihm. Sie fuhren vom Acker auf die Straße und dort in Richtung Hürben. An der Stelle, wo die Straße steiler zu werden begann, wollte die Bäuerin aus Vorsicht und um das Gespann nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, vom Traktor aus die Anhängerbremse anziehen. Dazu muss sie sich vermutlich von ihrem Sitz aus, der sich seitlich auf dem Kotflügel der Zugmaschine befand, weit nach hinten gebeugt haben oder musste dazu sogar auf der sogenannten Ackerschiene gestanden sein, um den Bremshebel auf der Anhängerdeichsel erreichen zu können.

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