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"Polizeiaußenstelle"
von Bodo Doering
Leseprobe aus dem Buch
"Zwischen vorgestern und morgen"
ISBN 978-3-00-026888-5, Preis
EUR 11,90
Das Telefon klingelte, Ulf nahm ab. „Guten Abend, Herr
Hornung! Hier ist Frau Hutmacher aus der Hauptstraße. Sie kennen mich doch?“
„Aber sicher, Frau Hutmacher, was kann ich für Sie tun?“
Immer wieder, und das schon seit Jahren, riefen Leute aus der Gemeinde bei
Ulf an, wenn sie Probleme hatten, um die sich ihrer Meinung nach die Polizei
kümmern müsse. Sie zogen es aber vor, Ulf privat anzurufen, statt sich an
die Polizeidirektion zu wenden.
„Ja, Herr Hornung, es geht um unsere Tochter“, hörte er Frau Hutmacher
sprechen.
„Ist ihr etwas passiert, oder hat sie vielleicht etwas angestellt?“ Ulf
lachte.
„Nein, nein, Herr Hornung. Es geht nämlich darum: Sie will zur Polizei,
genau gesagt zur Kripo. Ich kann Ihnen auch versichern, dass unsere Tochter
bestens für diesen Beruf geeignet ist.“
„Aha, das ist ja sehr interessant. Was ist sie denn von Beruf, und welche
Schulbildung hat sie, Frau Hutmacher?“
„Ei, unser Yvonn’ schafft im Kaufhaus, in Mannheim. Die wird Kauffrau.
Eigentlich ist sie das aber schon, weil sie so gut ist. Die war hier in
Birkenau auf der Realschule.“
„Ja und warum meinen Sie, dass Ihre Yvonn’ für die Kripo bestens geeignet
ist?“
„Also, die will zuerst die Lehre zu Ende machen und dann zur Kripo wechseln.
Wissen Sie, Herr Hornung, die liest am liebsten Kriminalromane, die frisst
sie regelrecht in sich hinein, schon jahrelang. Oft weiß sie am Anfang von
so einem Roman schon, wer der Mörder ist. Und im Kaufhaus hat sie auch schon
ein paar Diebe erwischt, da ist sie auch gut. – Aber auf was ich noch hinaus
will, die Yvonn’ kann nämlich Blut sehen, jawohl Blut, das können Sie
glauben. Das macht ihr überhaupt nichts aus. Ich habe schon ein paar Mal
gemerkt, dass sie bei Unfällen hingucken kann oder wenn jemand gestürzt ist
und blutet. Also, ich meine, die wäre gut für die Kripo. Und dazu hätte ich
gerne Ihre Meinung, Herr Hornung.“
„Die Frau ist gut!“, dachte Ulf und überlegte, wie er dieser fürsorglichen
Mutter helfen könne.
Da fiel ihm der Einstellungsberater seiner Heppenheimer Dienststelle ein.
Genau, der könnte weiterhelfen.
Ulf führte das Gespräch auf diesen Beamten hin, bei dem sich alle
Interessenten für den Polizeiberuf melden können – auch solche, die Blut
sehen können.
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