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"Der Lächler aus Thailand"
von Johann Bednar
Er grinste, als hätte er einen Lottogewinn gemacht und
dabei waren wir gerade an der Arbeit um seinen Koffer fachgerecht zu
zerlegen.
Es war 08.48 Uhr als wir uns die Maschine aus Zürich, Kurs SR 430 zur Brust
nahmen. Es waren immer ergiebige Flüge aus der Schweiz. Nicht, dass die
Schmuggler direkt aus der Schweiz kamen, nein sie nahmen Zürich als
Transitland und hofften, dass wir in Österreich einige Augen zudrückten,
denn auf dieser Maschine flogen durchwegs Geschäftsleute und die Schmuggler
tarnten sich als solche. Außerdem hofften Sie, dass wir zu diesem Zeitpunkt
in der Früh noch schliefen, aber ohne uns, wir sind ja auch keine Idioten.
Auf alle Fälle war der Mann aus Thailand verdächtig und es zeigte sich, dass
unsere Nasen auch in der Früh funktionierten. Hartschalenkoffer, doppelter
Boden und 2.1 kg feinstes Heroin aus Thailand. Sedan, 26 Jahre alt, grinste
weiter.
Wir dachten schon, er hätte eine Gesichtslähmung oder ähnliches aber dies
war nicht der Fall. Er fand die ganze Geschichte lustig und wir begannen uns
leicht zu ärgern, was dem Koffer nicht unbedingt gut tat. Der schaute
nämlich aus als wäre er durch den Fleischwolf gedreht worden. Aber was
soll’s, soll er nur lachen, wir hatten das Heroin und das war wichtiger.
Lachend erzählte er bei der Vernehmung, dass die Ware für Deutschland und
Italien bestimmt gewesen wäre. Er solle auch einen Mittelsmann in einem
Hotel in der Nähe des Südbahnhofes treffen, den Namen des Mannes kannte er
nicht, es war auch ein Asiat. Er grinste und grinste, war dies die
asiatische Höflichkeit?
Gar viele Hotels in der Nähe des Südbahnhofes gab es nicht, so dachten wir,
aber es waren doch genug und in alle Hotels steckten wir unsere Nase. Die
Frage nach Thailänder oder Chinesen wurde dauernd bejaht. Ja, jede Menge!
Aber es waren meistens Reisegruppen und die kamen eigentlich nicht in Frage.
In einem der Hotels waren wir auf „Gold“ gestoßen. Ein einsamer Thailänder
wohnte in diesem Hotel, war jedoch vor einer Stunde ausgezogen. Der Portier
wusste noch, dass er einen Mann erwartet hätte. Außerdem meinte er noch,
ausgezogen wäre übertrieben, geflüchtet wäre das bessere Wort!
Das war unser Mann, keine Frage, aber das half uns auch nicht weiter. Mit
hängender Unterlippe wollten wir zu unserer Dienstelle fahren, aber leider
war unser Dienstwagen fort! Der erste Gedanke: gestohlen? Doch welcher Idiot
stiehlt einen alten VW K 70, der beinahe schon von alleine auseinander
brach.
Abgeschleppt! So hieß das Zauberwort und eine hilfreiche Funkstreife aus
Wien brachte uns zum Abschleppdepot in den „zehnten“ Hieb. Unsere Laune
wurde immer besser, als es noch einige Schwierigkeiten gab um unseren Wagen
zu bekommen, außerdem verfluchten wir den Kollegen, der uns abschleppen
ließ!
Sah er nicht, dass es sich um ein Dienstauto der Kripo handelte? Jeder
Ganove kannte einen „Kieberawagen“ aber die Kollegen nicht.
Na ja, er tat seine Pflicht! Wir waren halt sauer, dass wir zu spät gekommen
sind, dass war die Ursache für unsere gute Laune.
Wir bekamen unsere „Gurke“ und ab nach Hause. Wo sollte die Reise von Wien
aus zuerst hingehen, nach Deutschland oder Italien?
Das waren die ersten Worte an unser „lächelndes“ Gegenüber. Er zuckte mit
der Schulter, grinste lustig drauflos und meinte, es könne Italien sein, er
wisse es nicht genau.
Außerdem sagte er so beiläufig, er hätte ja im Hotel anrufen sollen und
einen gewissen „Ichno“ verlangen und diesem mitteilen, dass er gut „gelandet
war“, das war so ausgemacht.
Verdammt, der Kerl wusste das Hotel und auch den Namen. Am liebsten wäre ich
ihm an die Gurgel gesprungen, wir mussten umständlich das Hotel suchen,
hatten keinen Namen und weg war er auch!
Aber das ist der Vorteil der Verdächtigen. Sie müssen nicht die Wahrheit
sagen und können lügen. Was mich so ärgerte, war, dass der Mann immer
grinste, das ging sogar schon dem Dolmetscher auf den Geist.
Wir verständigten auf alle Fälle die Grenzen nach Italien ohne Hoffnung,
dass sich etwas tun würde und wir bekamen auch Recht. Keinerlei Meldungen
von den Grenzen, weiß der Teufel, was der gesuchte Mann machte oder wollte.
Wir waren mit unserem Latein am Ende.
2.1 kg Heroin, einen Schmuggler, keinerlei Hintermänner. Ein mageres
Resultat für uns aber bei den Zufallstreffern ist es halt so, man kann
keinerlei Vorbereitungen treffen.
Bei der Gerichtsverhandlung und den verpassten vier Jahren Knast grinste er
noch immer.
Ob er die ganzen vier Jahre gelacht hat?
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