"Harte Tage"
von Johann Bednar

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Die Dame begab sich Richtung Schnellbahn und wir hinterher. Ein Mann lief zu unserem Wagen, funkmäßig waren wir ja verbunden und würden sicher ein Fahrzeug benötigen.
Schnellbahn nach Wien, die Dame verließ am Südbahnhof die Bahn und begab sich in ein Hotel genau gegenüber des Bahnhofes. An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass sich die Frau für eine Nacht ein Zimmer genommen hatte.
Nun lagen wir auf der Lauer, als die Dame das Hotel verließ.
Sie begab sich wieder zum Bahnhof und kontaktierte den Schalter und ging wieder direkt in ihr Hotel. Natürlich erfuhren wir von dem freundlichen Beamten am Schalter, dass die Frau eine Fahrkarte für den morgigen Tag nach Italien gekauft habe.
Italien, schon wieder! Was machen wir jetzt? Um nicht einen „Bock“ zu schießen und dann nicht eins auf den Rüssel zu bekommen, riefen wir mal den Boss an, Django Rupf.
Festnehmen! Das war die Order die wir bekamen. War ja irgendwie verständlich, denn mit den Beamten in Italien gab es ja fast keine Zusammenarbeit. Damals, möchte ich betonen.
Wir waren froh darüber! Keiner von uns hatte noch einen „Bock“ die ganze Nacht vor dem Hotel herumzulungern. Unsere Freizeit war in den letzten Tagen gleich Null.
Also, rauf in das Zimmer, „sanft“ klopfen und „höflich“ sagen, wer wir waren. Die liebe Dame machte ein saures Gesicht, als sie uns sah. Den Kurt kannte sie ja besonders, war er doch der nette Beamte am Flughafen. Und schon hatten wir den Koffer in Arbeit. Christa N., so hieß die liebe Frau rollte aufgeregt mit den Äuglein. Da der Koffer Kurt ja persönlich schon bekannt war, durfte er ihn jetzt auch zerlegen. Doppelter Boden und doppelter Deckel, das war der Erfolg! Ein kurzer Blick und fachkundig erkannten wir, dass es sich um Kokain handelte. Christa N. war richtig sprachlos, denn sie machte vorerst keinerlei Angaben. Wir „hakten“ uns bei ihr unter und begleiteten sie zu unserem Dienstfahrzeug und es ging ab nach Schwechat.
Eine tolle Vernehmung! Von Angesicht zu Angesicht ohne Dolmetsch, das hatten wir schon lange nicht. Wir konnten Christa mit unserem Sprachschatz klar machen, welche Folgen der Suchtgiftschmuggel für sie hätte und sie fing an zu plaudern.
Den Auftrag hätte sie in Paraguay bekommen, sie lebte einige Zeit in Paraguay, hatte dort ein etwas lockeres Verhältnis mit einem Mann. Sie erhielt dort 4000 USD und sollte das Kokain nach Italien, nach Rom bringen. In Rom sollte sie den Koffer am Bahnhof in einem Schließfach deponieren und den Schlüssel des Schließfaches an eine Adresse nach Paraguay schicken. Die Adresse von Paraguay hatte sie auf einem Zettel notiert. Wir wussten schon im Vorhinein, Erhebungen in Paraguay waren wie ein Brief an das Christkind. Da kam sicher nichts! Insgesamt waren 4,5 kg Kokain in dem Koffer.
Das übliche Spielchen, Vernehmungen und Einlieferung in den Knast. Insgeheim hofften wir, dass der Flughafen für einige Tage zusperren möge, damit wir uns endlich einmal ausruhen konnten. Unsere Frauen wären auch höchst erfreut, dass sie wieder einmal erinnert würden, dass sie verheiratet waren. Die nette Omi kann im Knast sicher auf einige „schlimme Buben“ aufpassen.
 

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