|
|
|
"Harte Tage"
von Johann Bednar
- Seite 2 von 3 -
Es war nicht die Welt, aber immerhin. Das Heroin stammte
aus der Türkei, teilte er uns dann mittels Dolmetscher mit. Er sei zwar
Tunesier, lebte aber teilweise in der Türkei. Einen Flug direkt aus der
Türkei war ihm zu riskant, so flog er über Tunesien nach Wien. Die Ware
selbst wollte er in der Szene in Wien verkaufen, verriet er uns noch.
Papierkram erledigen und ab in das LG Wien mit dem Typ.
Nun, die Flugroute gab uns zu denken, gar nicht so blöd! Die Passagiere der
türkischen Fluglinien schauten wir uns ja regelmäßig an, das war ja schon
ein Pflichtspiel. Aber aus Tunesien, na ja schauen wir halt einmal.
Zwei Tage später, Maschine aus Tunesien, zwei Nervenbündel mit blassen
Gesichtern standen an den Förderbändern und warteten auf ihr Gepäck und wir
warteten auf sie.
Es war das gleiche Spiel mit der gleichen Regie. In den Koffern befand sich
nur wertloser Kram und Flohmarktware was die Kleider betraf. Ein Blick auf
die Tickets, Türkei-Tunesien-Wien.
Ein scharfer Blick von Dr. M. auf das Innenleben der beiden Männer war
natürlich angesagt. Dass die Ordination gut besucht war, brauche ich nicht
mehr zu erwähnen. Arme Patienten. Als Nebenjob könnten wir ja echt eine
Röntgenpraxis eröffnen, wäre doch eine Überlegung wert, aber was soll’s. In
den Gedärmen der beiden war wieder mal Großkampftag, insgesamt 4 große
Kugeln hatten die beiden eingebaut.
Unsere Toilette hatte wieder Hochsaison, es donnert und krachte nur so. 450
Gramm hochwertiges Heroin konnten wir aus der geplagten Muschel holen.
Bei der Vernehmung das gleiche Spiel, der Dolmetsch freute sich und wir
boten ihm an, er könne ja bei uns übernachten, denn diese Route ließen wir
nicht mehr aus den Augen. Hatte doch die Ware einen Schwarzmarktwert von
rund einer Million Schilling. Unsere Suchtgiftgruppe war ja echt ein Hammer.
Das Landesgericht Wien bekam wieder zwei Mann als Verstärkung dazu.
Am nächsten Tag, Sie dürfen nun raten, wo wir uns befanden! Flug
Tunesien-Wien. Wir hielten wieder Ausschau nach nervösen zappeligen jungen
Männern, aber es kam keiner.
Der Flug von London nach Wien war erfahrungsgemäß auch immer sehr Erfolg
versprechend und so krallten wir uns an diesen Passagieren fest.
So ein richtiger Fisch biss jedoch nicht an, als sich, ich glaube es war
Kurt, eine ältere Dame zur Brust nahm. Was will er von der alten Frau
dachten wir, war sie gar sein Typ?
Als wir uns das Ticket von der Frau, es war eine deutsche Staatsbürgerin,
ansahen, schrillten die Alarmglocken. Sie kam aus Asuncion in Paraguay via
London nach Wien. Eine äußerst ungewöhnliche Flugroute. Die Dame war laut
Pass 57 Jahre alt, und eine gepflegte Erscheinung. Kurt filzte den Koffer,
erstarrte kurz und machte den Koffer sofort wieder zu. Wir standen
unmittelbar daneben und begriffen nicht sofort was das soll.
Er bedankte sich höflich bei der Frau und das war’s, dachten wir halt.
„Los hinterher“ rief Kurt der Koffer ist voll. Aha, so war das,
Transporteurin – Observation – Hintermänner, na eh klar.
|
|
|