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"Der Drehtag"
von Johann Bednar
Drehtag am Flughafen war angesagt. Eine Hollywood
Produktion, ein Film mit Clint Eastwood als Hauptdarsteller sollte gedreht
werden.
Na ja, Neugierde ist doch eine Berufskrankheit und für Film hatte ich ja
immer schon größtes Interesse. Die Kollegen hatten weniger mit dem Film am
Hut und blieben im Büro sitzen. Also schnappte ich mir einen Dienstwagen und
zischte ab zum Flughafen um Filmluft zu schnuppern.
Gedreht wurde vor der Ankunftshalle, ich schlenderte dort herum und schaute
dem Treiben mal zu. Der Ankunftsteil des Flughafens wurde umgebaut und zwar
auf den Flughafen Moskau. Sämtliche Verkehrstafeln wurden durch Tafeln in
Russisch ersetzt. Eine große Tafel mit der Aufschrift „Moskau“ wurde
montiert. Russische Fahrzeuge standen umher und es war ein riesiger Aufwand,
welcher hier betrieben wurde.
Ich sah einige Flughafenbedienstete, die ich kannte und gesellte mich zu
der Gruppe. Zwei Beamte der Zollwache, einige Damen der AUA. Einige
uniformierte Kollegen sorgten für den reibungslosen Ablauf des
Verkehrsaufkommen. Die Krankenschwester der Flughafenambulanz zappelt
ungeduldig umher, war sie ja ein echter Clint Eastwood Fan, und konnte es
gar nicht erwarten ihren „Liebling“ zu sehen.
Wir standen herum, schauten und staunten und die Krankenschwester hüpfte vor
Aufregung in Höhe als sich eine Wohnwagentüre öffnete und - Clint Eastwood
heraustrat. Man hatte ihm einen Oberlippenbart verpasst und der Star war
hautnah zu bewundern.
Er schlenderte ein wenig herum während noch Schienen für die Kamera verlegt
wurden, und wir erfuhren dass hier der Film „Fire Fox“ gedreht werden
sollte.
Einer von unserer Gruppe hatte die originelle Idee für eine Wette. Er sagte
zu der Schwester sie bekomme zwei Flaschen Sekt, wenn sie es wagte Clint
Eastwood um ein Autogramm zu bitten und… ihm ein Küsschen zu geben. Wow, die
Idee war super. „Nein, das kann ich doch nicht.“, zierte sich die Schwester,
aber wir ließen nicht locker und beknieten sie heftig.
Clint Eastwood war so an die 20 Meter von uns entfernt und sprach mit
verschiedenen Filmleuten und wir setzten unsere Überredungskünste ein die
liebe Schwester zu überreden. Irgendwer hat ihr schon einen Block in die
Hand gedrückt, für das Autogramm und als der Star kurz alleine war, ritt sie
der Teufel.
Zuerst etwas zögernd, dann mit festem Schritt ging sie auf Clint Eastwood
zu, ich muss dazu sagen, daas die Krankenschwester eine sehr junge und hübsche
Frau war, und auch mit einem tollen Fahrgestell versehen war. Eastwood
schaute ihr entgegen und sie drückte ihm frech den Block in die Hand. Er
lächelte sie an und begann zu schreiben.
Dann kam die Action, Clint Eastwood ist ein ziemlich langer Kerl und die
Schwester hüpfte ein wenig in die Höhe und gab ihm ein Küsschen auf die
Wange.
Wir, wir standen mit offenen Mäuler da und schauten dem Treiben zu, keine
Ahnung was jetzt geschehen würde?
Eastwood zeigte eigentlich keine Überraschung sonder schlug mit einer Action
zu, mit der keiner gerechnet hatte. Er schnappte die Krankenschwester drückte
sie an sich ran und küsste sie herzhaft ab.
Bumm, wir schauten echt blöd aus der Wäsche. Und ich dachte mir, die
Krankenschwester brauchte jetzt eine Krankenschwester.
Einen so roten Kopf hatte ich noch nie gesehen, ich dachte das Schwesterlein
explodiert sofort. Also ein Ferrari rot war eine blasse Angelegenheit gegen
ihr rotes Gesicht.
Clint Eastwood ließ sie los und sie schwebte mit verträumtem Blick wieder
zu unserer Gruppe. Und was machte der Star? Er kam auf uns zu lachte, und
begrüßte uns. Es entwickelte sich ein Gespräch, dem ich leider nicht gut
folgen konnte, denn meine damaligen englischen Kenntnisse beliefen sich auf
Coca Cola und Marlboro. (Sie sind heut auch nicht viel besser. Ich bin ein
Sprachgenie.)
Die Damen der AUA übersetzten brav, und stellte uns vor. Als sie zu meiner
Person kam und ihm sagte ich sei von der Kripo entlockte es ihn ein „aha“.
Er erkundigte sich sofort welche Dienstwaffen wir hatten, und ich lüftete
kurz mein Sakko und meine Walter PPK kam zu Vorschein. Er lachte und meinte
"Yes, James Bond…"
Na klar, schleppte doch James Bond im Film die gleiche Kanone herum, eine
Walter PPK, Kal. 7,65. Keine Ahnung warum, denn so ein „heißes“ Eisen war
die wirklich nicht. Egal, es war so.
Er verriet uns noch, dass es sich beim Film und einen Agententhriller handelt,
und zum größten Teil in Russland spielt, sie aber dort nicht drehen durften.
Er verließ uns dann, es begannen die Dreharbeiten, und wir waren eifrige
Zaungäste mit Ehrenplätzen.
Ob sich das Krankenschwesterlein jemals noch gewaschen hat, weiß ich nicht,
irgendwie hab ich sie aus den Augen verloren. Klar, die zwei Flaschen Sekt
bekam sie natürlich, Ehrensache.
Meine eigentliche Arbeit als Suchgiftfahnder hatte aufgrund der Ereignisse
natürlich Pause, ist doch verständlich, oder nicht?
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