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"Der Bulle aus Rom"
von Johann Bednar
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31.Jänner 1992, seit 06.00 Uhr früh saßen wir in einer
Pension in Bruck/Leitha in Warteposition. Unsere Truppe „Joschi“ K. K.
Wolfgang, P. Martin und meine Wenigkeit.
Dabei hatten wir noch einen Gast aus Kolumbien, der liebe „Gonzales“. Ihn
hatte es einen Tag vorher am „linken Fuß“ erwischt, am Flughafen Schwechat.
Via Frankfurt reiste er als biederer Geschäftsmann ein, zu bieder für eine
Suchtgiftkontrolle, denn einen Geschäftsmann nahm ihm kein Hund ab und so
wurde er gefilzt.
Eine beinahe einmalige Sache. In 12 Sakkos und 9 Hosen sowie in drei Paar
Schuhe war „Koks“ eingebaut, eine wunderschöne Arbeit. Die Kleidungsstücke
waren von Profis angefertigt, ein „tapferes Schneiderlein“ war da an der
Arbeit, schön säuberlich in Streifen eingenäht, das Futter wieder sorgfältig
in Schuss gebracht. Die Schuhe waren ebenfalls eine Spitzenarbeit, in den
Sohlen eingearbeitet und wenn nicht das Gewicht gewesen wäre, wer weiß! Aber
wir waren ja schlaue Bürschchen und so saß der Mann aus Kolumbien in der
Scheiße.
Insgesamt 4,2 kg reinstes Kokain fischten wir aus der Kleidung und den
Schuhen.
Keinerlei Überredungskünste waren erforderlich, er gab alles zu! Er sei nur
der kleine Transporteur, sollte in einer Pension in Bruck/Leitha absteigen
und warten bis er angerufen wird und neue Instruktionen erhielt. Den Namen
der Pension verschweige ich aus verständlichen Gründen.
Nun waren wir in der Pension und harrten der Dinge, die da kommen würden. Wir
hatten uns Kollegen vom Ministerium geholt, welche die Außenobservation der
Pension übernahmen.
Die Inhaber der Pension, lauter liebe Leute und wir wurden bewirtet wie die
Grafen. In unserer Mitte befand sich noch die Gattin eines Kollegen aus
einer anderen Gruppe, welche perfekt spanisch sprach, denn Gonzales sprach
nichts anderes. Sie hatte auch bei der Vernehmung schon gedolmetscht. Zu
Mittag bekamen wir gebackene Hühner und es war richtig gemütlich, man konnte
meinen, es wäre eine Geburtstagsfeier oder ähnliches in Gange.
In dem Zimmer, welches wir hatten, war es zwar ein wenig eng, aber man hielt
es aus. Es war gegen 15.00 Uhr, als der erste Anruf für Gonzales einging.
„Anna“, so nenne ich die Dolmetscherin, klebte mit einem Ohr am Hörer und
Gonzales wurde gefragt wie es ihm gehe und ob alles okay sei. Ganz brav
folgte er unseren Weisungen und der Anrufer teilte ihm mit, er solle auf alle
Fälle in der Pension bleiben, man würde sich noch rühren. Gonzales sagte dem
Anrufer er wollte ein wenig spazieren gehen, aber dies wurde verneint, er
möge sich von der Pension nicht wegrühren.
Wir waren angenagelt und konnten rein gar nichts unternehmen, Anna schlief
schon das Gesicht ein, aber sie hielt tapfer mit. Dem Gatten von Anna
teilten wir mit, dass er auf seine Frau verzichten musste, viel Freude hatte
er mit uns natürlich nicht. Gegen 01.00 Uhr war Bettruhe angesagt!
Anna durfte sich natürlich im Bett ausstrecken und wir machten es uns in den
Sesseln und am Boden bequem. Einer musste immer auf Gonzales ein Auge
werfen, er war zwar ganz auf unserer Seite aber man weiß ja nie.
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