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"Das 'gefundene' Baby"
von Johann Bednar
In diesem Kapitel springe ich mal zurück in das Jahr
1976, genau gesagt der 4.10.1976, es war die Anfangszeit meiner
polizeilichen Laufbahn. Ich hatte meine Ausbildung gerade ein Jahr hinter
mir, und wurde mit einem zweiten jungen Kollegen auf die Menschheit
losgelassen.
Mein Kollegen war ja noch ein ganz neuer „Frischling“, war er ja erst seit
wenigen Monaten bei uns in Margareten am Wachzimmer Spengergasse
stationiert.
Kollege Reinhard K. und ich fuhren am Funkwagen
„Emil 1“ und „zottelten“ in der Gegend herum, auf der Suche nach
zahlungskräftigen Verkehrssündern. Gegen 17.45 Uhr, ereilte uns ein
Funkspruch unserer Funkstelle, in der Mauthausgasse hörten Hausbewohner aus
einer Mülltonne wimmernde Geräusche, es wurde angenommen, dass die Geräusche
von einer Katze stammen könnten.
Armes Tier, also Blaulicht und Folgentonhorn und wir quälten uns durch den
aufkommenden Abendverkehr. Wir meldeten brav der Funkstelle unser Eintreffen
und schauten mal nach was sich da so abspielte.
Einige Hausbewohner standen schon „Hab acht“ im Hausflur und zeigten uns die
Mülltonne, standen doch drei Mülltonnen im Hausflur. Aus dem angezeigten
Mistkübel war kein Laut zu hören. Ich öffnete die Tonne und war innerlich
gefasst eine Katze vorzufinden.
Ich fand unter dem Berg von Müll einen Nylonsack, der blutige Spuren
aufwies. Ich nahm den Sack heraus, öffnete diesen und dann blieb mir echt
die Spucke weg. In dem Sack lag ein Baby.
Ich weiß nicht mehr was ich damals gedacht habe, vermutlich war mein Hirn in
dieser Sekunde leicht blutleer.
Das Baby, war im ersten Augenblick als blutverschmiertes Bündel zu erkennen,
das sich nicht regte. Ich nahm das Baby aus dem Nylonsack raus und schrie
die Hausbewohner die genauso erschrocken aus der Wäsche schauten wie ich an,
sie sollten sofort eine Decke bringen. Ich musste zweimal schreien, da die
Leute wie versteinert herumstanden. Mein Kollege verschwand eiligst aus dem
Hausflur, ich glaube er ging kotzen, was ihm nicht zu verdenken war.
Irgendein Hausbewohner tauchte mit einer Decke auf und ich legte das Baby
auf die Decke am Boden.
Es war kein Lebenszeichen von dem Kind vorhanden und ich begann den kleinen
Mund von Blutresten zu säubern. Ich begann so wie ich es gelernt habe, mit
Mund zu Mundbeatmung und Herzmassage. Mit drei Fingern drückte ich den
kleinen Brustkorb auf und ab und beatmete das Kind. Mein Kollege hatte über
Funk den Rettungsdienst verständigt, und es wurde dann mitgeteilt, dass die
Rettung im Verkehr steckte.
Keine Ahnung wie lange ich beatmet und gedrückt habe, als das Baby plötzlich
zu schreien angefangen hat. Ich weiß nicht was mir in die Hose gerutscht
ist, ich glaub es war ein Felsen und kein Stein mehr. Ich hatte die ganze
Zeit während der Massage und der Mund zu Mund Beatmung Angst dem Kind weh zu
tun. In der Polizeischule haben wir ja dies gelernt, auf einer Puppe und
nicht bei einem Neugeborenen.
Endlich war das „trara“ der Rettung zu hören. Ein „echt super Ton“ fand ich
damals. Der Rettungsarzt übernahm das Baby und mir wurde erst jetzt so
richtig bewusst was da geschehen war. Ich muss gestehen mir kam damals meine
6-jährige Arbeitszeit als Obduktionsassistent auf der Pathologie zu gute.
Ich hatte keine Scheu vor Blut oder so, das war echt hilfreich. Mein Kollege
hatte immer noch eine Gesichtsfarbe wie ein Käselaib. Der Arzt meinte zu mir
schulterklopfend : „Sehr gut gemacht, Herr Inspektor!“
Fairerweise muss ich gestehen, mein Gesicht habe ich nicht gesehen, ich weiß
nur dass mir ein Mann von der Rettung mein blutverschmiertes Gesicht
gereinigt hatte.
Kollegen von der Kripo tanzten auch auf und es wurde die Mutter des Baby
auch gleich ausgeforscht, die zu Hause im gleichen Haus entbunden hatte und
das Kind in die Mülltonne warf.
Wir fuhren zu unserem Wachzimmer, ich tippte die Meldung und dann ab nach
Hause wo ich den Vorfall erst verdauen musste.
Es war eine der aufregendsten Amtshandlungen, die ich erlebt habe. Was aus
dem kleinen Mädchen geworden ist habe ich nie erfahren.
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